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Methadon und Mahnwache PDF Drucken E-Mail
Von Johann Janssen   
Dienstag, 10. November 2009
Bereits in der zweiten Woche stehen Wilhelmshavener Drogenkranke morgens
zwischen 11.00 Uhr und 13.00 Uhr vor der Kassenärztlichen Vereinigung in
der Kirchreihe. Sie halten dort eine Mahnwache ab, mit der sie erreichen
wollen, dass ihre Versorgung mit Methadon auf sichere Füße gestellt wird.


Methadon ist der Ersatzstoff für Heroin; es besetzt die Rezeptoren im
Nervensystem und blockiert sie damit, so dass danach gespritztes Heroin
nicht mehr andocken kann und damit unwirksam im Körper ist. Methadon
macht nicht „high“, muss aber täglich genommen werden.
Methadonpatienten, die die für sie richtige Menge täglich einnehmen,
sind arbeits-und gesellschaftsfähig. In New York gibt es z.B. tausende
dieser Patienten, die mit Methadon ihrer Arbeit wieder nachgehen können;
und zwar sind das Menschen aus allen Schichten, auch Lehrer,
Rechtsanwälte, Versicherungsmakler oder Orchestermitglieder.

In Wilhelmshaven gibt es nun folgendes Problem: Einer der drei Ärzte,
die hier diese Patienten behandeln hat angekündigt, dass er damit ab
1.12. aufhören wird, wenn die Kassenärztliche Vereinigung nicht für
bessere Arbeitsbedingungen sorgt. Sein Konzept sieht eine
Schwerpunktpraxis vor, in der die an ihr beteiligten Ärzte in Schichten
täglich einige Stunden Dienst tun. Das hätte den Vorteil, dass die
Praxen selbst nicht mit den oft unruhigen und schwierigen Patienten
belastet würden. Das Angebot der Kassenärztlichen Vereinigung für dieses
Projekt rechnete sich für die Ärzte überhaupt nicht, so dass auf dieser
Basis keine Lösung zustande kam.

In dieser Situation hat der bisher Methadonsubstituierende Arzt seinen
etwa 40 Patienten erklärt, er könne sie ab 1.12. nicht weiter behandeln,
weil die Behandlung dieser Krankheit auf viel mehr ärztliche Schultern
verteilt werden müsste.

Diese Erklärung verursacht bei den Betroffenen eine erhebliche Angst.
Das Methadon hat sie aus der Beschaffungskriminalität befreit, die
vielen von ihnen schon viele Jahre Gefängnis eingebracht hatte. Sie
wollen nicht rückfällig werden und wehren sich nun mit einer Mahnwache.
Zwar gibt es in Oldenburg und in Varel noch einige Behandlungsplätze,
aber wer von ihnen hat schon das Geld dort täglich hinzufahren?

Auf dem diesjährigen Kongress für Drogen und Suchtmedizin (DGS) der
Gesellschaft gleichen Namens am letzten Wochenende in Berlin, hat die
Wilhelmshavener Mahnwache bei den Ärzten aus ganz Deutschland zu
Anerkennung und Erstaunen geführt. Erstaunen deshalb, weil Drogenkranke
eigentlich mit sich und ihrem Problem soviel zu tun haben, dass sie
nicht in der Lage sind, eine Mahnwache zu organisieren.

In Wilhelmshaven beweisen sie seit einer Woche das Gegenteil. Zu dem
ersten Schild der letzten Woche, auf dem ihre Forderungen stehen, kamen
heute zwei neue Schilder hinzu, auf denen die Namen von annähernd 40
Menschen stehen, die in den letzten Jahren an den direkten oder
indirekten Folgen des Drogenkonsums in Wilhelmshaven gestorben sind. Die
Zahl ist deshalb so erschreckend hoch, weil die medizinische Versorgung
dieser Menschen unzulänglich war!

Eine Bitte an alle, die diesen Bericht lesen: Gehen Sie mal zur
Mahnwache, zeigen Sie Solidarität!
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 11. November 2009 )
 
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